Gerade in der heutigen Zeit wird viel über einen Mangel an Initiative und Engagement geklagt. Aber sind solche Klagen berechtigt? Wer den nachfolgenden Bericht des Heimatvereins Marl liest, kommt zu ganz anderen Schlüssen.
Zugegeben: Da hört man Schaffensfreude, aber auch - ich denke berechtigten - Stolz heraus. Jeden Donnerstag arbeiten wir, die Mühlradfreunde, das sind in der Hauptsache Schützenbrüder des Schützenvereins Marl-Frentrop, nun schon 1 1/2 Jahre mit durchschnittlich 20 Personen an der Verwirklichung unseres Vorhabens. Bald mussten wir feststellen, dass bei drei Arbeitsstunden wöchentlich nicht viel geschafft werden konnte und stellten uns auf Ganztagsarbeit um, die immer um 8.30 Uhr beginnt. Sie endet in der Regel um 16.30 Uhr. Damit ist der Donnerstag voll für den Hausbau vergeben. Er ist für andere Planungen besetzt.Auf diese Weise kamen in der Zeit von Oktober 2003 bis Mai 2005 rund 7000 unentgeltliche Arbeitsstunden zusammen.
Für die Rahmsche Schmiede und Repräsentation der vielen Ausstellungsstücke des Heimatmuseums Marl, die an verschiedenen Stellen der Stadt getrennt aufbewahrt werden, reichte auch eine Renovierung des Heimatmuseums nicht aus. Mehr Platz musste geschaffen werden.
Die Mühlradfreunde, 1993 gegründet, 1997 dem Heimatverein Marl als aktive Mitglieder angeschlossen, nahmen sich tatkräftig der Sache an. Aus allgemeinen Vorstellungen wurden schnell konkrete Planungen und umsichtige Vorarbeiten. Ein Fachwerkbau als passende Ergänzung zum Heimatmuseum sollte es werden. Zunächst bescheiden als Scheune bezeichnet, wurde es schließlich doch ein massives Haus.
Schon im Jahre 2000 beginnend hielt man Ausschau nach alten Fachwerkhäusern, die zum Abbruch anstanden und sammelte wertvolle alte Eichenbalken, die einmal das Gerüst des neuen Hauses werden sollten.
Gleichzeitig verdichteten sich die Vorstellungen zur festen Planung, die am 14. Januar 2003 als Bauantrag vorgelegt und vom Bauamt genehmigt wurde.
Hinter all diesen Vorarbeiten standen nicht allein arbeitswillige Mitarbeiter.
Fachleute mussten schon dabei sein, und die standen wie ausgesucht zur Verfügung. Für alle soll hier nur ein Name genannt sein: Architekt Hans Willi Feykes. Er plante den Neubau, fertigte die Bauzeichnungen und ist unser Bauleiter, unser Chef. Seiner Kompetenz, seiner überlegenen Übersicht, seinen umsichtigen Arbeitsvorbereitungen, seiner fachmännischen Kontrolle ist der zügige Baufortschritt zu verdanken.
Im Oktober 2003 ging es ans Werk. Die gesammelten Balken waren zuerst auf ihre Verwendungsmöglichkeit durchzusehen. Sie wurden vermessen nach Länge, Breite und Stärke und entsprechend zugeschnitten. Jedes Einzelstück wurde nummeriert und in einer Liste notiert.
Währenddessen reinigte eine Gruppe das Baugelände, befreite es von störendem Bewuchs und steckte es als Bauplatz ab.
Die Untersuchung der Bodenbeschaffenheit zeigte nicht unerhebliche Probleme.
Der Baugrund im alten Bachbett des Weiherbachs war bis zu einer Tiefe von ca. 1,50m anmoorig, sehr weich und nass. Eine Bebauung hielten die Fachleute dennoch für möglich. Die Lösung für das Fundament sollte eine 20 cm dicke Stahlbetonzerrplatte sein, bei entsprechend tiefem Bodenaustausch mit Recyclingmaterial und Grubenkies.
Am 6. November 2003 war für uns der Spatenstich der Beginn einer gespannt erwarteten, interessanten Beschäftigung.
Mit dem Arbeiten allein war es nicht getan. Das Material musste beschafft und bezahlt werden. Die Fachfirmen, auf deren Mithilfe wir nicht verzichten konnten, kosteten trotz großzügiger Bereitstellung der Maschinen Geld.
Die Mühlradfreunde verfügen über ein eigenes Konto, auf dem sich die Erlöse aus den Mühlradfesten, die Zuschüsse des Heimatvereins, die Zuwendungen unserer Sponsoren, die großen und die kleinen Spenden sammeln. Unser Schützenverein Marl-Frentrop beteiligte sich mit einer ansehnlichen Spende von 500 €.
Auch hier sei ein Name genannt, der in erster Linie für die finanzielle Absicherung des Hausbaus steht, Hans Schemberg: ein Kaufmann, dem es nicht schwer fällt, die Spendenfreudigkeit seiner Ansprechpartner für kleine und große Summen anzuregen. Er sichert auf diese Weise neben seinem regelmäßigen wöchentlichen Arbeitseinsatz den Weiterbau des Hauses. Gibt es etwas zu regeln in der Gruppe oder für die Gruppe, macht Hans das, wohlgeübt als General unseres Vereins.
Bei unserem wöchentlichen Einsatz konnten wir das Haus unter unseren Händen wachsen sehen. Bald stand das Holzgerüst, an dem man Struktur und Ausdehnung des Hauses erkennen konnte, und - es zog die ersten Neugierigen und Gäste an, die auch schon mal einen kleinen Betrag für die Kasse da ließen.
Als dann der Dachstuhl gerichtet war, konnten wir unter der Teilnahme des Vorstandes des Heimatvereins, der Sponsoren, der Freunde und Bekannten das Richtfest feiern. Es wurde ein schönes Fest, das über die Zusammenarbeit hinaus das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Wertschätzung stärkte.
Der Hausbau ging weiter. Unsere Maurer mauerten die Gefache aus, die Maler standen hinter ihnen, um die Gefache, wie eben ein Fachwerkhaus auszusehen hat, auffällig, weiß zu streichen, die Dachdecker kamen und vervollständigten nach außen hin das Bauwerk, die Schreiner fertigten Türen und Fenster.
Es war nicht allein das Haus, das uns beschäftigte. Umfangreichen und intensiven Einsatz verlangten Entwässerung und Festigung des Grundstücks, das Legen von Versorgungs- und Entsorgungsleitungen und das sogar unter winterlichen Witterungsbedingungen.
Der Innenausbau einschließlich Toilettenanlage vollzog sich nicht so spektakulär, aber erforderte fachmännische Kenntnis und die Bereitschaft zu ausdauernder Klein- und Feinarbeit, die aber auch mit jedem Arbeitstag ein Stück Fortschritt und Vervollständigung zeigte. Der alte Blasebalg, von vertrocknetem und gebrochenem Leder befreit, mit dem Leder einer Kuhhaut fachmännisch neu bezogen, wurde ein Blickfang unserer Schmiede. Für uns war es ein besonderer Tag, als das Hauptstück der "Rahmschen Schmiede, die Esse, aufgestellt und in Funktion genommen wurde. Das lodernde Feuer und das Prasseln der Holzscheite spendeten Wärme und verbreiteten Behaglichkeit, die wir nach getaner Arbeit gern noch ein Stündchen genossen haben.
Ein besonderes Glanzstück unserer Arbeit, das wir stolz unseren Gästen vorzeigen, ist der Dachboden. Nach den Isolierungs- und Dämmungsarbeiten gab die Holzverkleidung des Fußbodens und der Giebel- und Dachwände dem Raum ein wirklich edles Aussehen.
Es wird einmal ein eindrucksvoller Ausstellungsraum werden.
Um alles in das richtige Licht zu setzen, arbeitete unser Elektriker am liebsten immer dann, wenn der hektische Baubetrieb aufgehört hatte und er in aller Ruhe seine Be- und Ausleuchtpläne ausführen konnte. Wir staunten jedes Mal, wenn wir am nächsten Donnerstag die Arbeit wieder aufnahmen, was er vorausdenkend geplant und angelegt hatte.
Bei einem Spaziergang in den Abendstunden gewinnt man schnell den Eindruck, dass neben dem Heimatmuseum hier eine passende Ergänzung mit unserem neuen haus geschaffen wurde.
Am 29.07. konnte das stolze Werk feierlich eingeweiht werden. Es fügt sich harmonisch in das Ensemble rund um das Heimatmuseum und ist ein Beweis von Tatkraft und Bürgersinn.
Bilder von der Baustelle finden Sie in unserem Fotoalbum:
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