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Der diesjährige Heinrich-Keßler-Preis des Heimatvereins Marl e.V. zeichnet das Engagement der Eheleute Rosemarie und Dr. Frederico Engel aus. Die Preisverleihung war am Pfingstmontag im Rahmen des gut besuchten Mühlentages. Die Laudatio hielt Hubert Schulte-Kemper, Vorsitzender des Heimatvereins, der sich bei den Eheleuten Engel für denen vielfältiges Engagement stellvertretend für viele Marlerinnen und Marler mit der Auszeichnung bedankte.
Heimat braucht Freunde
Bevor Hubert Schulte-Kemper die Gäste zur Preisverleihung in einem eigens aufgestellten Zelt begrüßte, stimmte das Streicherquartett „Con Brio“ des Musikhauses Kasan auf die feierliche Preisverleihung ein. „Unser Verein“, so der Vorsitzende, „will Heimat erhalten und den Heimatgedanken fördern. Für dieses Ziel engagieren sich zurzeit über 800 Mitglieder.“ Eine Reihe dieser Mitglieder, so Schulte-Kemper, hinterlassen Spuren in unserer Gesellschaft. Dazu zählen die ehrenamtlich Tätigen, die sich uneigennützig mit ihrer Arbeit und ihrem Wissen in den Heimatverein einbringen. Dazu zählen aber auch Menschen in Marl, die still und fast im Verborgenen Dinge möglich machen, die sonst nicht oder nicht in dem Maße umgesetzt werden können. „Zu diesen stillen Menschen, die Spuren hinterlassen, gehören die Eheleute Rosemarie und Dr. Frederico Engel, Gründer der Engel-Stiftung“, lobt Schulte-Kemper die engagierten Marler. „Ohne ihr Eintreten für eine Reihe von Vorhaben des Heimatvereins würde die Pflege von historischen Gebäuden nicht so gut bestellt sein. Dank der Unterstützung der Engel-Stiftung konnten zum Beispiel die Sanierungsarbeiten in der alten Windmühle an der Hochstraße rasch und professionell umgesetzt werden.“ Schulte-Kemper nennt als Beispiele die Herrichtung der Treppe, die in die oberen Stockwerke des historischen Gebäudes führt. „Die Engel-Stiftung hat auch die Kosten für diese Arbeiten und für die Ausbesserung der Böden übernommen. In diesem Jahr können wir der Mühle einen Außenanstrich spendieren, die den Turm dauerhaft vor Nässe schützen wird.“ Allein aus den Mitgliedsbeiträgen des Heimatvereins seien solche Bauvorhaben längst nicht zu stemmen. „Es wären viele Jahre vergangen, bis wir das Geld für diese Arbeiten aufgespart hätten“, rechnet der Vorsitzende vor. Doch damit nicht genug: Die Eheleute Engel haben auch die schöne Ausstellung der Puppen von Christa Kuhlmann und Helga Ahlert zu: ‚Der Fischer und seine Frau’ im Heimatmuseum unterstützt. Puppen und Dekoration stellen die beiden Damen, der Rahmen – also die Bühne für die Figuren - wurde von der Engel-Stiftung übernommen. Auch die Beschilderung eines Naturlehrpfades des Heimatvereins in Hamm fand die Unterstützung der Geehrten „Der Heimatverein Marl ist den Eheleuten Engel sehr dankbar für deren Interesse an den historischen Gebäuden, die der Verein pflegt und mit Leben füllt. Mit der Verleihung des Heinrich-Keßler-Preises möchten wir uns ein wenig für die Unterstützung bedanken“, sagte Hubert Schulte-Kemper.
Vielfältiges Engagement der Engel-Stiftung - XLAB
Die Eheleute Engel fördern nicht nur Projekte des Heimatvereins. Mittel aus den Erlösen der Stiftung sind in den vergangenen Jahren auch der Musikgemeinschaft Marl, der esm, der Diakonie und dem Tierschutzverein zugute gekommen. „Hinzu kommen eine Reihe von sozialen Projekten, die Menschen in großer Not geholfen haben“, lobt Schulte-Kemper das Eintreten der Stiftung für die Mitmenschen. Sehr viele Marler Schülerinnen und Schülern kennen die Engel-Stiftung aus dem Naturkundeunterricht. Sie unterstützt XLAB – ein Experimentallabor für junge Leute in Göttingen. XLAB bietet den drei Marler Gymnasien Praxiswochen in Kooperation mit der Universität Göttingen an. Ferner werden Leistungskurse des Faches Chemie an Gymnasien im Vest Recklinghausen Beihilfen gewährt, um am Programm des XLAB teilzunehmen. Weitere Förderungen gewährt die Stiftung auch auf Empfehlung des Rotary-Clubs Recklinghausen. „Die Engel-Stiftung tut Gutes – dem Heimatverein, aber auch vielen Menschen in Marl und der Umgebung“, lobt Hubert Schulte-Kemper das Engagement, „dem Heimatverein ist es daher auch eine Ehre, Rosemarie und Dr. Frederico Engel mit dem Heinrich-Keßler-Preis Dankeschön zu sagen.“ Dem Dank des Heimatvereins schloss sich auch Heimatfreund und Bürgermeister Werner Arndt an, der die Leistungen der Eheleute Engel und der ehrenamtlichen Mitglieder lobte. Paul Gietz, Chemielehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Marl, stellte den Gästen das XLAB-Programm vor, das vielen Schülergenerationen die Naturwissenschaften ein Stück näher gebracht hat.
Die Geehrten geben den Dank zurück: „Menschen saugen Lebensfreude aus dem Heimatverein“
Sichtlich gerührt über so viele Gäste, die eigens in das Zelt unter den Bäumen vor der Museumsschmiede gekommen waren, gab Dr. Engels den Dank zurück: „In der Tat aber müssen wir, wir alle, dem Heimatverein danken, nämlich für all das, was er für unsere Stadt Marl und ihre Menschen Gutes tut“, sagte Dr. Engels. Er und seine Frau haben mehr als drei Viertel ihres Lebens in Marl verbracht und diese Stadt lieb gewonnen. Marl sei ihnen zur Heimat geworden. Die Eheleute Engel haben beobachtet und schätzen gelernt, wie sich die Bürger in Vereinen zusammen tun und soziale Netzwerke schaffen. „So sind wir insbesondere zu Bewunderern des Heimatvereins geworden“, lobt Dr. Engel. Die Mitglieder des Vereins pflegten den Heimatgedanken in vorbildlicher Weise. Hier würden Menschen zum Singen gebracht, zum Wandern, zum Reden in plattdeutscher Sprache. Diese Menschen liebten es, Panhas zu essen und Schmalzstullen. Besonders hob der Keßler-Preisträger hervor, dass die Erinnerung an unsere Vergangenheit bewahrt wird, indem wichtige Zeugen – historische Gebäude – erworben würden und erhalten. Der Heimatverein fülle sie mit Leben und nutze sie als Museen, ja als „Denkmäler“. Dr. Engel unterstrich den selbstlosen und ehrenamtlichen Einsatz seiner Mitglieder und rief der Festgemeinde zu: „Seid froh und stolz auf dieses Image, viele Menschen saugen Lebensfreude aus Ihrer Arbeit!“
Der Keßler-Preis soll Menschen auszeichnen, die ihr Engagement für den Heimatgedanken verwenden.
Die Jury hat bislang die Heinrich-Keßler-Preise an Menschen vergeben, die sich in besonderer Weise um den Heimatgedanken verdient gemacht haben. In den Vorjahren waren dies: Helga Ahlert, Gregor Behrens, Helmut Madynski, die Mühlradfreunde und die Mühlradsänger.
Erläuterungen zum Heinrich-Keßler-Preis
Heinrich Keßler wurde am 25. April 1874 in Lippburg geboren und wurde Lehrer. Er war zunächst in Homer an der holländischen Grenze tätig, danach in Oer. 1909 kam er zur Waldschule nach Hüls. Zuerst war er Hauptlehrer, später Rektor. Gegenüber der Schule hatte er ein schönes Haus mit einem großen Garten, den er hegte und pflegte. Als Anhänger der Zentrumspartei galt er unter der Gewaltherrschaft als politisch un-zuverlässig und wurde vom Schuldienst suspendiert. Keßler machte sich daran, die Landjugend in Löntrop zu unterrichten und gründete die erste landwirtschaftliche Berufsschule in Marl, die später nach Dorsten zog. Wieder im Schuldienst wurde er Lehrer an der Josefschule. Er wurde von den Schülern „Spitzbart“ genannt – nach seinem Haarwuchs am Kinn. Nach dem Krieg nahm er seine Tätigkeit als Rektor der Waldschule wieder auf.
Keßler war Mitbegründer des Heimatvereins und war in Marl und Umgebung bekannt, dass er mit seinem Fahrrad die Bauernschaften abklapperte und Gegenstände sammelte, die dann im Museum ausgestellt wurden. Fündig wurde er auch bei den Bauarbeiten an den Chemischen Werken und bei Straßenbauten. Keßler verstarb im Alter von 82 Jahren im März 1956.
Pfingstmontag, 24. Mai 2010, Peter Hofmann (Pressesprecher) |