Historisches über Marl

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Die Marler Friedenseiche (Helmut Madynski)

Am Vorabend des 1. Mai 2007 wurde an der Friedenseiche auf dem Marktplatz neben der St. Georgskirche eine Gedenktafel angebracht, die deren Geschichte schildert. Viele Marler kennen die 130jährige Friedenseiche, wissen aber leider nichts über ihre Entstehung und Bedeutung.

Als der Deutsch-Französische Krieg 1870-1871 beendet und der Friede endgültig am 26. Mai 1871 geschlossen war, kehrten die Kriegsteilnehmer, teils zu Fuß, teils per Bahn, wieder heim. Mit bekränzten Wagen wurden die Marler Krieger von der Bahn aus Coesfeld abgeholt. Als sie ankamen, führten sie ein großes Faß Bier mit und befanden sich in sehr gehobener Stimmung. Kurze Zeit darauf wurden überall Siegesfeste gefeiert; auch der "Krieger- und Landwehr-Verein zu Marl" wollte nicht zurückstehen. Das Sieges- und Friedensfest, verbunden mit einer Fahnenweihe, konnte aber erst am 10. und 11. September 1871 gefeiert werden, weil man die Rückkehr des Soldaten Theodor König aus der Gefangenschaft abwarten mußte. - Bei Fryhoff auf der Wiese stand ein großes Festzelt für das Fest. Die Restauration hatten die Wirte Frentrop und Fryhoff übernommen. Die Musik stellte die Beckmannsche Kapelle. Um die verlangten 15 Mann zusammenzubringen, wandte er sich an den Kapellmeister Schulte in Horneburg. Dieser schickte ihm einige Musiker. Herr Beckmann hatte sich auch um eine Militärkapelle bemüht, sie war aber nicht zu bekommen.

Am Samstag fand ein großer Zapfenstreich, verbunden mit Böllerschüssen, statt. Am Abend wurde dann auch die Friedenseiche gepflanzt. Der Theodor König hat die Eiche mit noch einem Kameraden aus den Frentroper Waldungen geholt. Hierauf fand noch eine Feier in dem Festzelt statt.

Am Sonntag nachmittag wurde bei Frentrop angetreten. Dort bekamen alle Kriegsteilnehmer Schärpen mit Eichenlaub umgehängt. Es waren schwarze, handbreit geschnittene Bänder, die mit Eichenlaub benäht waren. Die Ehrendamen und mehrere junge Mädchen, hatten die Schärpen verfertigt. Johann Koch vom Steinern-Kreuz hatte das Kommando über den Ausmarsch und sprach auch den Prolog. Der Festzug setzte sich von Frentrop aus in Bewegung zum Pfarrhaus. Dort wurde der Pfarrer Dr. Küster zur Fahnenweihe abgeholt. Er marschierte in der Mitte der Ehrenmitglieder zur Friedenseiche. Die Schulkinder und die Jugendlichen von 14-15 Jahren bildeten Spalier. Der Herr Pfarrer hielt an der Friedenseiche eine Rede über die Nöte und Gefahren der letzten Kriege für die Kriegsteilnehmer. Dann weihte er die Fahne nach dem kirchlichen Ritus. Nach Schluß der Feier wurde der Pfarrer wieder feierlich in seine Wohnung gebracht und der Festzug bewegte sich zum Festzelt.

Unter dieser Friedenseiche, eingerahmt von einem schmiedeeisernen Gitter, fanden alljährlich zu Ehren der Gefallenen eine Gedenkveranstaltungen statt. Auf großen Tafeln waren sie namentlich aufgeführt. Der Krieger- und der Gardeverein traten an und viele Bürger in Gehrock und Zylinder hörten mit feierlich ernster Miene die Ansprache.

Im Laufe der Zeit geriet die Friedenseiche bei vielen Marlern in Vergessenheit und das Umfeld der Anpflanzung war sehr desolat. Mitglieder des Marler Heimatvereins brachten in den letzten Wochen das Umfeld wieder in Ordnung. Eine Tafel soll an die Umstände dieser Anpflanzung erinnern.

Möge diese Friedenseiche ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben der Völker in Europa sein und uns verpflichten, für die Völkerverständigung einzutreten